Die Wahl eines Content-Management-Systems (CMS) gehört zu den folgenreichsten Entscheidungen in jedem Webprojekt. Sie bestimmt deine Entwicklungskosten, deine redaktionellen Abläufe, deine Sicherheit und wie leicht deine Webseite in den nächsten fünf bis zehn Jahren wachsen kann. Triffst du die richtige Wahl, tritt die Plattform in den Hintergrund. Liegst du daneben, kämpfst du bei jedem Release dagegen an.
Craft CMS hat sich bei Entwicklern und Content-Teams aus einem Grund eine treue Anhängerschaft erarbeitet: Es verbindet ein wirklich angenehmes Redaktionserlebnis mit einer strukturierten Flexibilität, die man sonst nur von deutlich komplexeren Systemen kennt. Craft ist aber nicht die einzige ernstzunehmende Option – und nicht für jedes Projekt die richtige.
Dieser Leitfaden vergleicht Craft CMS mit drei der etabliertesten Plattformen am Markt – Drupal, TYPO3 und WordPress – und entspricht dem Stand Mitte 2026. Ziel ist nicht, einen einzigen Sieger zu küren. Es geht darum, dir zu helfen, das passende CMS für dein konkretes Projekt zu finden.
Wo die vier Systeme 2026 stehen
Craft CMS läuft aktuell in der Hauptversion Craft 5, Craft 6 ist in aktiver Entwicklung. Mit Craft 5 kam die sogenannte «Entrification» – die Zusammenführung von Kategorien, Tags und globalen Sets in ein einheitliches Entry-Modell –, dazu ein kartenbasiertes Control Panel, integrierte Multi-Faktor-Authentifizierung mit Passkey-Unterstützung und verschachtelte Inhalte via CKEditor. Craft 5 hat ein ungewöhnlich langes Support-Fenster: Der aktive Support läuft bis Ende 2030, der Sicherheitssupport bis 2031.
WordPress ist am 20. Mai 2026 in der Version 7.0 «Armstrong» erschienen. Sie markiert den Start von Phase 3 der Gutenberg-Roadmap und bringt einen standardisierten AI-Client, die Abilities API, Data Views und einen modernisierten Admin-Bereich. Bemerkenswert: Die als Highlight angekündigte Echtzeit-Zusammenarbeit wurde wegen Stabilitätsbedenken aus dem finalen Release gestrichen.
Drupal steckt mitten im grössten strategischen Umbruch seit Jahren. Neben Drupal Core bietet das Produkt Drupal CMS (ehemals Initiative «Starshot») ein vorkonfiguriertes, auf Recipes basierendes Paket für Site-Builder und Marketingteams – mit automatischen Updates, einem Project Browser, dem Experience Builder für Drag-and-drop-Bearbeitung und KI-gestütztem Setup. Wichtig: Drupal 7 hat am 5. Januar 2025 sein End of Life erreicht.
TYPO3 bleibt das Enterprise-Arbeitspferd im deutschsprachigen Raum – mit seinem Release-Zyklus mit Long Term Support (LTS), dem integrierten Caching-Framework, der Staging-Umgebung Workspaces und ausgeprägten Mehrsprachen- und Multisite-Funktionen.
Marktanteile auf einen Blick
- WordPress betreibt 2026 über 43 % aller Webseiten und hält rund 62,8 % des CMS-Markts.
- Drupal liegt weltweit im niedrigen einstelligen Prozentbereich, ist aber bei grossen Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung stark vertreten.
- TYPO3 kommt auf rund 1,5 % CMS-Marktanteil und ist im DACH-Raum überdurchschnittlich stark.
- Craft CMS ist bewusst eine kleinere, entwicklerorientierte Plattform, die nicht über den reinen Marktanteil konkurriert.
Was Craft CMS gut macht
Ein Redaktionserlebnis, das Autoren wirklich mögen
Das Control Panel von Craft ist aufgeräumt, schnell und übersichtlich. Redaktionen erhalten Live-Vorschau, Entwürfe, Revisionen und zeitgesteuertes Publizieren – ohne den Plugin-Wildwuchs, der andere Systeme oft überlädt. In Craft 5 lassen sich Entries, Kategorien und Benutzer als anpassbare Karten darstellen.
Strukturierte Inhalte als Grundprinzip
Das ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal von Craft. Mit dem System aus Feldern und Sections modellierst du Inhalte passend zu deinen tatsächlichen Daten – mit eigenen Feldern, Entry-Typen, Matrix-Blöcken und wiederverwendbaren Content-Blöcken –, statt deine Inhalte in die Schablone eines Blogbeitrags zu zwängen.
Headless, wenn du es brauchst – klassisch, wenn nicht
Craft unterstützt eine entkoppelte Headless-Architektur mit einer robusten GraphQL-API. So kannst du ein Frontend mit React, Vue oder Astro aus demselben Backend bespielen. Entscheidend: Craft zwingt dich nicht zu Headless – du kannst genauso eine klassische Webseite mit Twig-Templates bauen.
Performance und Sicherheit ab Werk
Craft kommt mit einem schlanken Core und sinnvollem Caching. Sicherheitsfunktionen sind fest eingebaut statt nachträglich angeflanscht: Zwei-Faktor-Authentifizierung und Passkeys gehören zum Core. Granulare Benutzerrechte und Zugriffskontrolle sind Standard.
Mehrsprachigkeit und Lokalisierung
Craft unterstützt Multisite und mehrsprachige Inhalte nativ, mit sprachspezifischen URL-Strukturen und eigenen Inhalten pro Site. Damit eignet es sich gut für internationale Webseiten – bei sehr vielen Sprachen haben die Enterprise-Systeme architektonisch aber noch die Nase vorn.
Die ehrlichen Kompromisse
Für die meisten echten Projekte ist Craft kommerzielle Software: Die Solo-Edition ist kostenlos, die Editionen Team und Pro sind kostenpflichtig. Das Plugin-Ökosystem ist zwar hochwertig, aber kleiner als bei WordPress oder Drupal – für Nischenfunktionen brauchst du eher eine individuelle Entwicklung. Und weil so viel von der Stärke von Craft in der Inhaltsmodellierung steckt, holst du das Maximum in der Regel nur mit einem Entwickler heraus.
Der direkte Vergleich
Komplexität und Lernkurve
- Craft CMS ist für Redaktionen zugänglich und für Entwickler gut handhabbar – du musst aber seine strukturellen Konzepte verstehen, um es gut zu nutzen.
- WordPress ist am einfachsten für den Einstieg und hat das grösste Angebot an Tutorials, Themes und Entwicklern.
- Drupal war historisch der steilste Aufstieg; Drupal CMS verkleinert diese Lücke für Site-Builder deutlich.
- TYPO3 ist technisch am anspruchsvollsten, vor allem wegen TypoScript, seiner Konfigurationssprache.
Anpassbarkeit und Flexibilität
- Craft CMS bietet hervorragende strukturierte Anpassbarkeit – eigene Felder, Sections und Entry-Typen sind seine Kernstärke.
- Drupal ist wohl das flexibelste der vier Systeme; es verhält sich eher wie ein Framework für Webanwendungen als wie ein klassisches CMS.
- TYPO3 ist für grosse, strukturierte Webseiten sehr anpassbar – am besten in den Händen erfahrener Entwickler.
- WordPress lässt sich über Plugins und Themes nahezu endlos erweitern, diese Flexibilität ist aber angebaut statt strukturell verankert.
Community und Ökosystem
- WordPress hat mit Abstand die grösste Community und den grössten Marktplatz für Plugins und Themes.
- Drupal hat eine grosse, reife, auf Unternehmen ausgerichtete Community mit klarer Governance und einem professionellen Security-Team.
- TYPO3 hat eine aktive Community mit Schwerpunkt in Europa; die koordinierende Association hat ihren Sitz in der Schweiz.
- Craft CMS hat ein kleineres, aber auffallend hochwertiges und gut kuratiertes Ökosystem.
Performance und Skalierbarkeit
- Craft CMS ist dank schlankem Core und gutem Caching schon ab Werk schnell.
- Drupal skaliert auf sehr grosse, komplexe Webseiten, braucht dafür aber meist mehr Serverressourcen und Feintuning.
- TYPO3 bringt ein ausgeklügeltes, mehrstufiges Caching-Framework mit, das bei grossen Installationen glänzt, sobald es richtig konfiguriert ist.
- WordPress erreicht bei schlanken Webseiten schnell gute Core Web Vitals, grosse Installationen mit vielen Plugins brauchen aber gezielte Optimierung.
Sicherheit
- WordPress ist das meistangegriffene CMS – fast ausschliesslich wegen seiner Verbreitung und der Angriffsfläche durch Plugins von Drittanbietern. Konsequente Plugin-Pflege ist Pflicht.
- Drupal und TYPO3 sind auf Sicherheit im Enterprise-Umfeld ausgelegt, mit eigenen Security-Teams und LTS-Releases.
- Craft CMS hat eine starke Sicherheitsbilanz, eine kleine Angriffsfläche und moderne Authentifizierung (2FA, Passkeys) direkt im Core.
Preise und Gesamtkosten
- Craft CMS setzt auf ein gestaffeltes Lizenzmodell. Die Solo-Edition ist für selbst gehostete Projekte mit einem Benutzer dauerhaft kostenlos. Team kostet USD 279 pro Projekt (bis fünf Benutzer), Pro USD 399 pro Projekt (unbegrenzte Benutzer) – jeweils inklusive einem Jahr Updates, danach USD 99 pro Jahr für weitere Updates. Beide kostenpflichtigen Editionen sind beim Hosting auf Craft Cloud inbegriffen, und eine Enterprise-Stufe ergänzt SSO und individuelle Lizenzen. Die Lizenz ist allerdings selten der grösste Posten: Hosting, Entwicklung und Inhaltsmodellierung machen meist den Grossteil des Budgets aus.
- WordPress, Drupal und TYPO3 sind im Kern alle kostenlos und Open Source. Die eigentlichen Kosten liegen anderswo – bei Premium-Plugins und -Themes für WordPress, bei spezialisierten Entwicklerstunden für Drupal und TYPO3 sowie bei Hosting und laufender Wartung für alle drei.
SEO-Möglichkeiten
- Craft CMS liefert sauberes, semantisches Markup mit voller Kontrolle über URLs und Metadaten; Plugins wie SEOmatic ergänzen strukturierte Daten, Sitemaps und hreflang-Tags. Dank schlankem Core sind gute Core Web Vitals einfach zu erreichen.
- WordPress hat das ausgereifteste Ökosystem an SEO-Plugins (Yoast, Rank Math) und ist damit sehr einsteigerfreundlich – viele Plugins können aber die Performance bremsen, wenn niemand darauf achtet.
- Drupal bietet starkes SEO über Module wie Metatag und Pathauto und meistert komplexe, mehrsprachige SEO-Architekturen gut.
- TYPO3 bringt solide SEO-Grundlagen bereits nativ mit, inklusive starker URL- und Mehrsprachenverwaltung für grosse Unternehmenswebseiten.
E-Commerce
- Craft CMS integriert Craft Commerce, eine hauseigene, stark anpassbare Commerce-Plattform (in der Pro-Edition verfügbar), die das flexible Inhaltsmodell von Craft teilt – ideal für individuelle, designorientierte Shops.
- WordPress dominiert den Einstieg in den E-Commerce mit WooCommerce, dem weltweit meistgenutzten Commerce-Plugin mit riesigem Ökosystem an Erweiterungen.
- Drupal bietet mit Drupal Commerce eine Lösung für komplexe, grosse und B2B-Commerce-Szenarien.
- TYPO3 deckt E-Commerce über Extensions ab, passend zu seinem Fokus auf Enterprise- und Unternehmensportale.
Hosting und technische Anforderungen
- Craft CMS braucht eine moderne PHP-Umgebung mit einer MySQL/MariaDB- oder PostgreSQL-Datenbank und läuft am besten auf Managed- oder VPS-Hosting statt auf günstigem Shared Hosting. Mit Craft Cloud gibt es optimiertes Hosting direkt vom Hersteller.
- WordPress läuft fast überall, auch auf günstigem Shared Hosting – ein Hauptgrund für seine Verbreitung. Für performancekritische Webseiten gibt es spezialisiertes Managed-WordPress-Hosting.
- Drupal läuft auf gängigen LAMP/LEMP-Stacks, profitiert mit wachsender Komplexität aber von leistungsfähigerem Hosting.
- TYPO3 ist ressourcenintensiver und setzt für Enterprise-Lasten in der Regel robuste, gut konfigurierte Serverumgebungen voraus.
Schnellvergleich auf einen Blick
- Lernkurve: WordPress ist am einfachsten für den Einstieg, Craft liegt in der Mitte, Drupal und TYPO3 sind am anspruchsvollsten.
- Am besten geeignet für: Craft für individuelle, inhalts- und designgetriebene Webseiten; WordPress für Blogs und Webseiten von KMU; Drupal für komplexe Projekte von Grossunternehmen und öffentlicher Hand; TYPO3 für grosse mehrsprachige Unternehmenswebseiten, besonders im DACH-Raum.
- Anpassbarkeit: Craft, Drupal und TYPO3 bieten tiefe, strukturelle Flexibilität; WordPress lässt sich vor allem über Plugins erweitern.
- Redaktionserlebnis: Craft und WordPress punkten im redaktionellen Alltag mit Komfort; Drupal und TYPO3 sind technischer.
- Kostenmodell: Craft hat eine Lizenzgebühr plus Hosting und Umsetzung; die anderen drei haben einen kostenlosen Core, die Kosten liegen bei Plugins, Entwicklung und Hosting.
- Sicherheit: Drupal und TYPO3 sind Enterprise-tauglich, Craft hat eine kleine, moderne Angriffsfläche, und WordPress ist im Kern sicher, braucht aber disziplinierte Plugin-Pflege.
- Headless: Craft bringt GraphQL mit, Drupal bietet JSON:API und GraphQL, WordPress hat seine REST API (und WPGraphQL), und TYPO3 unterstützt Headless über Extensions.
- E-Commerce: Craft Commerce, WooCommerce, Drupal Commerce bzw. TYPO3-Extensions.
Welches CMS solltest du wählen?
- Wähle Craft CMS, wenn Inhaltsstruktur und ein ausgereiftes Redaktionserlebnis wichtig sind, wenn du Headless-Flexibilität willst, ohne dazu gezwungen zu sein, und wenn du Unterstützung durch einen Entwickler hast. Craft passt sehr gut zu designorientierten Marketing-Webseiten, redaktionellen Plattformen und individuellen Umsetzungen.
- Wähle WordPress, wenn du schnell und kostengünstig starten willst, den grössten Pool an Fachleuten und Plugins suchst oder einen Blog, eine einfache Unternehmenswebseite oder eine Webseite für ein KMU baust. Weshalb ich KMU trotzdem oft zu Webflow rate, liest du im Vergleich WordPress oder Webflow.
- Wähle Drupal für grosse, komplexe Projekte mit vielen Integrationen – besonders bei Grossunternehmen und der öffentlichen Hand mit hohen Anforderungen an Sicherheit, Barrierefreiheit und Governance.
- Wähle TYPO3 für grosse mehrsprachige Enterprise-Webseiten mit mehreren Sites, insbesondere im deutschsprachigen Markt.
Die richtige Antwort ergibt sich aus den echten Anforderungen deines Projekts: wer die Inhalte pflegt, wie sie strukturiert sind, wie viele Sprachen und Sites du brauchst, welche Anforderungen an Sicherheit und Compliance bestehen und welches Team die Webseite betreuen wird.
Und wo stehe ich? Craft CMS ist nicht mein Standardsystem. Ich setze es aber auf Wunsch ein, etwa wenn ein bestehendes Projekt bereits darauf läuft. Für neue Webseiten arbeite ich in der Regel mit Webflow oder mit Webstudio in Kombination mit Hygraph oder Sanity.
Brauchst du Hilfe bei der Wahl des passenden CMS – oder bei der Umsetzung? Bei KOMUNIQUE arbeite ich praxisnah mit modernen Content-Management-Systemen und baue strukturierte, zukunftssichere Webseiten. Melde dich und lass uns besprechen, was zu deinem Projekt passt.
KOMUNIQUE Webdesign. Made in Appenzell.
